Schönheit

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„Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt, offenbart sie dessen Schönheit.“ – lautet der erste Satz eines Spruches, den mir eine liebe Freundin auf eine Karte, die sie mir zum Abschied mit auf den Weg gibt, geschrieben hat. Ahh, wie treffend.

Wie sehr und wie scheinbar einfach mir dieser Satz doch umzusetzen fällt. Da ich bei bestem Wetter Richtung Kopenhagen starte, offenbart mir Mutter Natur ihre Fülle. Das saftige Grün der Wiesen und Bäume, das freudvolle Bunt der Blumen, der blaue Himmel mit weißen Wölkchen und als ich bereits am zweiten Tag der Tour die Ostsee erreiche: das tiefe, freie Blau des Meeres, das mich 11 Tage begleiten wird! Irgendwie hat mich das Meer enorm angezogen, ich konnte es kaum abwarten, es zu erreichen. Als mich verschlungene Wege durch Wald und Flur (ich vermeide es so gut es geht auf Straßen zu radeln) schließlich am Timmendorfer Strand ausspucken, erlebe ich meinen ersten recht emotionalen Moment der Tour. Wie nah Hamburg an der Ostsee liegt, war mir nicht bewusst! Wie schön! Wie schön, dass ich diese Reise unternehme und das erleben darf! Ich freue mich sehr darüber und lasse mich vom Anblick von Wasser und weißem Sand verzücken. Eine liebe Freundin und Kollegin ist mit ihrer Familie am Strand in Niendorf – nur wenige Minuten vom Timmendorfer Strand entfernt. Schnell radele ich zu ihnen und hüpfe ins kühle Nass an diesem sehr warmen Tag.

Schönheit ist für mich nicht nur das Augenscheinliche. Schönheit steckt auch in den Menschen, denen ich begegne. Ich finde Schönheit in ihnen, wenn sie sich z.B. für etwas begeistern und mit Leidenschaft nachgehen. Und nicht nur in den Menschen, denn im Prinzip spiegelt sich Schönheit in allen Geschöpfen, also auch in Tieren, wider. Aus irgendeinem Grund bin ich auf der Tour oft besonders berührt wenn ich ihnen begegne, in freier Wildbahn (in Schweden waren zahlreiche Rehe) wie in Gefangenschaft (wie z.B. Pferde auf einer Koppel oder Kühe auf der Weide) und sie vielleicht eine Weile beobachten darf. Sie sind perfekt an ihre Umgebung angepasst und scheinen oft ihr Leben und Lebensumstände voll und ganz anzunehmen und damit zufrieden zu sein. Sie können nichts in Frage stellen und hegen somit keine Zweifel an ihrem Sein, am Sinn oder Unsinn. Und wo kein Zweifel ist, herrscht bekanntlich Frieden. Vielleicht wirken sie auf mich deshalb so friedvoll.

Und schließlich komme ich auch immer wieder an einen Punkt, an dem ich Schönheit in mir wahrnehme. Dass ich mir selbst diese Tour überhaupt ermögliche zum Beispiel. Und dass ich es schaffe, all die Wertschätzung die ich in den letzten Tagen an der Arbeit erfahren habe, sicherlich nicht gänzlich und durchgängig wahrhaftig, aber doch besser annehmen kann, als zu früheren Zeitpunkten. Da war das schlichtweg überhaupt nicht möglich, ich habe es einfach ignoriert und vielleicht debil gelächet dabei. Ich nehme an, dass ich damit überfordert war, für unmöglich hielt, etwas beizutragen oder Positives auslösen zu können. Und das ist aber so „schön“, das – also Wertschätzung die mir meine Mitmenschen entgegen bringen – wirklich sehen und aushalten und annehmen zu können. 😀

Bild: (c) outdoorschoko, aufgenommen in Schweden, Juni 2016

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2 Gedanken zu “Schönheit

  1. Schönheit in mir selber zu erkennen, fällt mir im Denken enorm schwer. Ich sehe nur, dass ich wahrscheinlich auch schön bin an meinen Aktionen. Meist nur direkt bei den Aktionen. Superschön, dass du das für Dich entdeckt hast. Ist ein gesundes Bewußtsein, da wirklich jedes Wesen aus irgendeinem Blickwinkel wunderschön ist!

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