Wendepunkt

Warum kann ich nicht glücklich sein, obwohl ich alles (erreicht) habe, was ich wollte? – Diese Frage wollte im Laufe des letzten Jahres nicht mehr aus meinem Kopf.

Ich hatte meinen Traumjob als Controllerin und Projektkoordinatorin in einer Umweltschutzorganisation, deren Werte und Ziele ich uneingeschränkt teilte, wohnte in einer tollen Stadt, arbeitete in Teilzeit und war in einer recht frischen Beziehung, in der ich knall-verliebt war.

Doch unsere gemeinsame Zeit an den Wochenenden war oft geprägt von großer Erschöpfung, die mich regelmäßig heimsuchte und für mindestens einen Tag lahm legte. Ich konnte mich gerade mal um die dringendsten, basalen Bedürfnisse kümmern: Schlafen, essen, Körperpflege. Wenn ich nicht gerade mega erschöpft war und nur geschlafen habe, dann suchten mich auch gern Kopfschmerzen heim, die über Nacht kamen und mich mindestens einen Vormittag lang in Schach hielten, so dass an Unternehmungen nicht viel zu denken war. Die Zeit für gemeinsame Aktivitäten an den Wochenenden (wir führten eine Fernbeziehung) war daher oft sehr knapp, was die Beziehung belastete.

Neben diesen Dingen gab es auch noch andere Indikatoren dafür, dass irgendetwas nicht stimmte. Bloß was? Schon länger war mir klar, dass ich eigentlich nicht mehr in der Großstadt leben wollte, sondern mich nach einem ruhigeren, naturnahem Lebensumfeld sehnte. Nur war mein Job mitten in Hamburg und durch meine ständige Pendelei (mein Leben findet in 4 Bundesländern statt) war mir die Nähe zum Hauptbahnhof wichtig.

Meine damalige Partnerin kümmerte sich liebevoll um mich an diesen Tagen. Doch hatte ich auch das Gefühl, dass sie sauer auf mich ist. Sauer deshalb, weil sie den Eindruck hatte, dass ich mich nicht gut um mich selbst kümmerte. Dass ich ständig Dinge tue, die eigentlich über meine Energieressourcen hinaus gehen, ich mich immer wieder selbst übergehe und in der Folge dann rum kränkele. Das war für sie recht schwer zu ertragen, da ich ihr sehr am Herzen lag. Und das war nicht die erste Beziehung, in der ich das zu hören bekam. Anfangs waren große Widerstände in mir, wenn ich das hörte. Ich hielt es nicht selten für Quatsch und dass das doch selbstverständlich, oder besser noch: das „Mindeste“ sei, wie ich lebe, oder was ich leiste.

An einem dieser Tage, an dem ich völlig ausgelaugt im Bett lag und an dem nichts mit mir anzufangen war – die Beziehung bewegte sich auf eine Krise zu oder war bereits mitten drin – fühlte ich dann mit Hilfe meiner Freundin mal richtig in mich hinein:

Was belastet mich im Moment bzw. schon seit geraumer Zeit?

Und wie fühlt es sich an, wenn ich es einfach beenden würde?

Und welche Vorstellung von einem Leben fühlt sich gut an?

Schnell tauchten unmissverständliche Bilder in meinem Geist auf: ein naturnahes Leben auf dem Land und in Gemeinschaft. Kein Büro mehr. Kein oder nur noch wenig Computerarbeit. Natürliche Rhythmen.

Ich ließ es wirken, die Botschaft meines Innersten war eindeutig. Mit einem Schlag, so fühlte es sich an, wurde mir so einiges klar. Ich machte mir etwas vor. Das Leben, das ich lebte, lebte ich für andere. Ich hielt es für das Richtige, ja. Aber das war es schlichtweg nicht. Es war gegen meine innere „Bestimmung“, oder zumindest gänzlich gegen meine Bedürfnislage zu dieser Zeit.

Ich würde etwas ändern.

Die Emotionen brachen sich bahn: Erleichterung und Freiheitsgefühl bei dem Gedanken, was da nun kommen mag. Große Trauer bei dem Gedanken, oder der leisen Ahnung davon, was ich nun lernen werden muss, loszulassen.

Doch ich war dankbar, für diese ehrliche Einsicht und Erkenntnis und auch bereit, diesen „Weg des Herzens“ zu gehen. 🙂

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Bild: (c) outdoorschoko, aufgenommen in Neuseeland, 2011

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